Magersucht-Online
Die Anziehungskraft
von Pro-Anorexie-Seiten
Magersucht-Online
>>> Dossier: Pro-Anorexie-Seiten
>>> Warum sie so gefährlich sind
"Das ist eine Seite PRO-Anorexie! Die Inhalte der
folgenden Seiten propagieren Magersucht. Aus diesem Grund
sollte sie sich niemand ansehen, der auf dem Weg der Heilung
ist oder diesen Weg einschlagen will. Schau' sie Dir nicht
an, wenn Du keine Essstörung hast! Schau' sie Dir nicht
an, wenn Du auf dem Weg der Heilung bist! Magersucht ist eine
tödliche Krankheit, die sehr ernst genommen werden muss."
Eigentlich eine deutliche Warnung (der man allerdings hinzufügen
möchte, dass sich auch gerade niemand, der unter einer
Essstörung leidet, aber sich noch nicht auf dem Weg der
Besserung befindet, diese Seiten ansehen sollte), die ihre
Wirkung auch erzielt: Neugierig klickt man sich weiter und
verliert dabei das Recht, sich über die Gefahr, die von
solchen Seiten ausgeht, zu beklagen.
Abgesehen davon, dass diese Form der Rechtfertigung der Seitenanbieter
mehr als fragwürdig ist, berücksichtigt sie nicht
den wesentlichen Punkt, der die Attraktion von Pro-Anorexie-Seiten
ausmacht: Den Drang von Essstörungen Betroffener, sich
selber kaputt zu machen und den Hunger nach Anerkennung. Das
Problem ist freilich auch, dass gerade die, die diese vorgeschobene
Warnung in den Wind schlagen, diejenigen sind, bei denen diese
Seiten den größten Schaden anrichten, weil sie
am wenigsten in sich gefestigt sind.
Auf den Seiten werden die Besucher mit Bildern ausgemergelter
Körper konfrontiert, die von Sprüchen wie "Nichts
schmeckt so gut, wie es sich anfühlt, dünn zu sein"
flankiert werden, und Tips, wie man noch weiter abnehmen kann.
Die Botschaft ist "Du bist immer noch nicht dünn
genug" und dient gleichermaßen als Bestätigung
des gestörten Körperempfindens wie auch als Ansporn,
sich immer weiter runterzuhungern. An Tips und Aufmunterungen
mangelt es auf den Seiten nicht.
Es ist schwierig, gegen diese Seiten zu argumentieren. "Magersucht
ist ein Lebensstil und keine Krankheit" sagen die Ersteller(innen),
"laßt uns doch so leben, wie wir wollen. Wir zwingen
doch niemanden, magersüchtig zu werden". Dass der
Hunger nach Anerkennung, der Versuch, sich selber und andere
davon zu überzeugen, dass man nicht krank ist, anderen
Menschen Schaden zufügt und sie tiefer in die psychische
Krankheit mit der höchsten Sterblichkeitsrate reißt,
wird als Argument nicht anerkannt. Es geht ja nicht um eine
Krankheit, sondern um einen Lebensstil. Man sieht sich schnell
in die Ecke der Bevormundung und Einschränkung der freien
Meinungsäußerung gedrängt.
Mit dem Argument der Körperschemastörung zu überzeugen
oder durch Ausüben von Druck zu zwingen, trifft dabei
den neuralgischen Punkt der Essgestörten: Den unbändigen
Willen, sich selber zu kontrollieren und den eigenen Körper
zu perfektionieren. Jede Form von Zwang wird dabei als Versuch
gesehen, diese Kontrolle zu entziehen. Gegen den Willen eines
Essgestörten irgendetwas erreichen zu wollen ist im wahrsten
Sinne des Wortes Zeitverschwendung.
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Pro-Anorexie-Seiten"
Wolfgang Gawlik
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