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Was sind Pro-Anorexie-Seiten?
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"Dünn zu sein ist besser als gesund zu sein"
oder "Du darfst nie etwas essen, ohne Dich dabei schuldig
zu fühlen". Mit diesen und ähnlichen Losungen
putschen sich Betroffene gegenseitig auf, um länger an
ihrer Essstörung festhalten zu können. In unzähligen
Internet-Communities verherrlichen sie eine Krankheit, an
der immerhin bis zu 20% der Betroffenen sterben.
Pro-Anorexie-Seiten
Im Internet finden sich unzählige, zumeist englisch-sprachige
Seiten, auf denen Essstörungen verherrlicht werden. Man
findet Ratschläge, wie man immer weiter abnehmen kann
und die Gewichtsabnahme verheimlicht, damit besorgte (sprich
neidische) Angehörige einen in Ruhe lassen. Betroffene
tauschen Tips aus, wie man die lästigen wöchentlichen
Gewichtskontrollen beim Arzt manipuliert, oder verabreden
sich virtuell zum Fastenwochende. Wenn dann der Hunger kommt,
lenkt man sich gegenseitig im Chat ab oder diskutiert das
Abnehm-Ziel für diese Woche.
Aber auch Bulimiker geben ihr Wissen weiter: Welche Nahrungsmittel
sich am leichtesten wieder erbrechen lassen oder wie man sich
so übergibt, dass es niemand bemerkt.
Alles das ist mit einer an Religiosität grenzenden Hingabe
an die Essstörung eingefärbt, für die man als
Außenstehender praktisch kein Verständnis aufbringen
kann. "Geht weg, und laßt uns so leben (und sterben),
wie wir es wollen", bekommt man dann zu hören. Für
jemanden, der das Leid kennt, das eine Essstörung mit
sich bringt, sind diese Internet-Seiten fast unerträglich.
"Bleib stark"
Es ist schwer, sich in die Gedankenwelt einer Person, die
an Magersucht leidet, hineinzuversetzen. Wesentliches Symptom
der Magersucht wie auch der Bulimie ist die sogenannte Körperschema-Störung:
Betroffene halten sich für zu dick, auch wenn sie bereits
erhebliches Untergewicht aufweisen. Appelle Angehöriger,
sich helfen zu lassen oder eine Therapie zu beginnen, klingen
in den Ohren Betroffener wie Versuche, sie im wahrsten Sinne
des Wortes zu mästen.
Viel zugänglicher sind sie da für die innere Stimme
der Essstörung, die ihnen die Lösung aller ihrer
Probleme verspricht: "Wenn Du nicht dünn bist, bist
Du nicht attraktiv", "Du fühlst Dich umso besser,
umso weniger Du wiegst" oder "Du kannst nie zu dünn
sein".
Auf den Pro-Anorexie-Seiten finden Betroffene dann genau
die Motivation, die sie dazu bringt, noch tiefer in ihre Essstörung
zu rutschen: Bilder elfenhafter Models und Filmstars, viele
von ihnen nachträglich bearbeitet, um die Personen noch
dünner erscheinen zu lassen, gefolgt von Ermutigungen,
weiter an der Essstörung festzuhalten: "Bleib stark,
höre nicht auf die anderen. Die sind doch nur neidisch,
auf Deine Stärke, Deinen Willen, Deine Schlankheit"
Kampf gegen eine Hydra
Ende Juli 2001 hat Yahoo! 21 von schätzungsweise 115
bei sich gehosteten Pro-Anorexie-Seiten und Communities von
seinen Servern genommen, ein Erfolg langandauernder Bemühungen
amerikanischer Selbsthilfegruppen. Aber kaum wird bei einem
Webspace-Anbieter ein Club geschlossen, tauchen bei einem
anderen Anbieter neue auf. Viele der Nutzer der neuen Communities
kennen sich noch aus anderen, bereits wieder verschwundenen
Treffs, und weil sowohl die Verbreitung von Essstörungen
als auch die Nutzung des Internet an sich zunimmt, werden
es täglich mehr.
Es wäre aber falsch, dem Internet als solchem die Schuld
an dieser Entwicklung zu geben. "Es ist schließlich
nicht so, dass es Essstörungen erst seit der Entstehung
des Internets gibt", sagt Dr. Jan Nedoschill, Arzt an
der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik
Erlangen und Mitbegründer der virtuellen Selbsthilfegruppe
bei Essstörungen Hungrig-Online e.V. (www.hungrig-online.de).
"Aber es ist ungemein wichtig, dass Betroffene statt
Seiten, die sie noch tiefer in ihre Krankheit verstricken,
Hilfsangebote im Internet vorfinden. Die Anonymität des
Internets erleichtert es dabei vielen, nach Hilfe zu fragen
und den ersten Schritt bei der Bewältigung der Essstörung
zu tun."
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Pro-Anorexie-Seiten so gefährlich"
Wolfgang Gawlik
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