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Jetzt weiß ich gar nicht, wie ich anfangen soll, dabei wollte ich doch so eifrig meine Erfahrungen mit der Magersucht mitteilen für den Fall, dass es jemandem nutzen könnte. Am besten wähle ich den einfachsten Weg, stelle mich erst einmal vor und gehe dann der Reihenfolge nach.
Also, ich nenne mich hier mal kurz S., und ich bin jetzt fast 27 Jahre alt und habe gerade mein erstes Staatsexamen gemacht.
Ach, das klingt furchtbar förmlich, da fehlt mein Herzensanliegen, das mich eigentlich anregt, diesen Bericht zu schreiben! Denn wie schon so viele andere auch habe ich das Glück, aus meiner Sucht herausgekommen zu sein, und jetzt, da ich wieder weiß, wie man sich auch fühlen kann, oder besser: wie man überhaupt fühlen kann (denn ich habe die Magersucht hauptsächlich als eine Zeit innerer Kälte und Starre erlebt), möchte ich selbst nie wieder in einen solchen Zustand wie damals zurück und wünsche auch sonst niemandem, seine Lebensenergie und Zeit auf eine so selbstzerstörerische Art zu...verschwenden, möchte ich sagen, obwohl die Magersucht und jede andere essstörung sicher auch ein wichtiger Heilungsprozeß ist oder ein Umweg, der vielleicht von manchen einfach genommen werden muß. Aber ein Umweg ist es dennoch, und der kostet eben viel Leid, Energie, Gesundheit, kurz: viel Lebensfreude, die doch letztendlich das Ziel all unserer Anstrengungen sind, denn was immer man sich auch wünscht, ich glaube, es steckt der Wunsch nach Liebe, Wärme, Geborgenheit dahinter.
Das ist jedenfalls eine Erkenntnis, die ich in bezug auf mich selbst gewonnen habe und die mir damals sehr geholfen hat, aus dem Teufelskreis vom Buhlen nach Aufmerksamkeit und Liebe durch Hungern einerseits und Ablehnung jeglicher Hilfe andererseits (da ich ja hilfsbedürftig bleiben mußte, um weiterhin Aufmerksamkeit zu verdienen) herauszukommen. Denn ich habe an einem Punkt wirklich begriffen, dass ich Liebe und Wärme nur in mir selbst spüren kann, weil ich die Gefühle anderer nicht wahrnehmen kann, ebenso wenig wie ihre Gedanken lesen. Und dass ich deshalb nie nie nie ein Gefühl von Freude und Sättigung und Zufriedenheit spüren werde, wenn ich mir selbst nicht gönne, mir diese Gefühle zu geben oder sie mir von anderen geben zu lassen und in mir zuzulassen.
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Kommentare
vielen herzlichen Dank für deinen sehr offenen, ausführlichen und persönlichen Erfahrungsberic ht! Ich habe eine magersüchtige Tochter und suche deshalb das Internet (und andere Quellen) nach Informationen und Hilfe ab. Dein Erfahrungsberic ht hat mit sehr geholfen, mehr zu verstehen, was in meiner Tochter vorgehen mag und wie schwer ihr alles fällt. Vielen, vielen Dank und dir alles, alles Gute!
Herzliche Grüße, K.
habe gerade deinen Erfahrungsberic ht gelesen. Ich habe selbst seit ca. 1 Jahr Magersucht, durchforste das Internet nach Berichten von Menschen denen es (leider) auch so geht bzw ergangen ist. Manche Textstellen könnten von mir geschrieben sein, sie beschreiben genau mein Befinden. Auch wenn es seltsam und egoistisch klingen mag, es beruhigt und stärkt einen solche Texte zu lesen, da man feststellt dass man nicht der/die Einzige ist und das es, auch wenn es mir oft nicht machbar erscheint, einen Weg aus der Magersucht gibt.
Liebe Grüße X.
Ich kann mich nur anschließen an den Dank für deinen ehrlichen Bericht. Eine gute Freundin von mir ist magersüchtig und ich versuche, mich ein bisschen in ihre Gedankengänge hineinzuversetz en, was aber oft ganz schön schwierig ist. Dein Text hat mir da sehr geholfen, danke!
Ich wünsche dir alles Gute für die nächste Zeit!
Liebe Grüße, Marina
Wie geht es dir heute?
Ich habe eine stationäre Therapie für mich beantragt, weil ich alleine aus meinem Hamsterrad nicht herauskomme. Aber auch das eigene Denken und Handeln muss sich ändern. Vom Verstand ist mir das alles klar. Ich schaffe nur nicht die Umsetzung. Meine "Freundin" die Magersucht ist alt sehr anhänglich. Du kennst das sicher nur zu gut.
Über einen Kontakt zu dir würde ich mich sehr freuen.
Du war nie in einer Klinik?
vielen, vielen Dank für deinen mehr als offenen Bericht.
Es ist für mich eine unglaubliche Stütze zu lesen, was ich selbst oft fühle, aber nicht ausdrücken kann.
Ich wünsche dir, dass du dein Leben weiterhin so stark, bunt, schön und vielfältig genießen kannst, wie ich es hoffentlich auch bald werde.
Alles Liebe und Gute, V.
Die einzige Angst im Leben die man haben sollte ist die,
dass man nie richtig anfangen wird zu leben.
ich bin beeindruckt wieviel deiner Erzählungen mit meiner Geschichte übereinstimmen. Ich bin seit 1,5 Jahren magersüchtig und befinde mich grad in meiner 2. Therapie. Ich hab schon einiges für mich herausgefunden aber deine Berichte und Erfahrungen haben mich nochmal etwas motiviert und mir sogar ein paar kleine Erkenntnisse (Gedankenanstöß e) gegeben. Ich hab mich besonders in der Gesprächstherap ie (mit einem Einzeltherapeut en) bisher immer ein wenig schwer getan, bestimmt Ursachen für mein Verhalten in der Beziehung zu meiner Mutter oder in dem Mangel an Zuneigung und Indivualität zu sehen. Aber so allmälich kann ich ich darauf einlassen und hoffe meinen Kontrollwahn irgendwann ablegen zu können, alles ein wenig entspannter zu sehen, auf meine inneren Empfindungen zu hören und mein Leben genießen zu können. Ich hoffe dann ist irgendwann Schluss mit dem "Das kannst du dir nicht leisten!"( weiter siehe nächster KOmmentar)
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