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Essstörungen bei Männern

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Essstörungen bei Männern sind oft schwerer aufzudecken. Das Krankheitserscheinungsbild von essgestörten Männern ist dem der Frauen auffällig ähnlich. Männer beschäftigen sich weniger mit strikter Gewichtskontrolle, sind weniger depressiv und selbsthassend nach übermäßiger Nahrungsaufnahme und nehmen weniger Abführmittel, Diuretika und Diätpillen ein.

 

Essstörungen bei Männern

Während Essstörungen für gewöhnlich mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung gebracht werden, gibt es eine nicht unerhebliche Anzahl an Männern die an diesen Krankheiten leiden. In einer Studie von Bulimia Nervosa bei Männern wurde festgestellt, dass das Auftreten der Krankheit bei Jungen und jungen Männern bei 0,2% liegt, im Vergleich dazu bei Mädchen und jungen Frauen bei 1%.

Essstörungen bei Männern sind oft schwerer aufzudecken. Zum Beispiel bezeichnen Frauen das Essen von großen Mengen als Fresserei, während dasselbe Verhalten bei Männern von der Gesellschaft akzeptiert wird. Viele Ärzte und Schwestern in Kliniken sind mit Essstörungen bei Männern nicht vertraut und neigen deshalb dazu, nur schwerste Fälle zu identifizieren. Es scheint, dass männliche Bulimiker oft zu beschämt sind, sich in Behandlung zu begeben, weil die Bulimie von ihnen als eine "weibliche Störung" angesehen wird. Das Alter, in dem die Krankheit auftritt, ist normalerweise höher als bei Frauen; es liegt zwischen 18 und 26 Jahren, während es bei Frauen zwischen 15 bis 18 Jahren am häufigsten auftritt. Männer neigen auch dazu, ihr Leben lang fettleibig gewesen zu sein, öfter als das bei Frauen der Fall ist.

Studien zum Thema

Bei beiden Geschlechtern geht das Einhalten einer strengen Diät dem Fressen voraus. Männer scheinen zufriedener mit ihren Körpern zu sein als Frauen und sehen ihre Körper weniger verzerrt als Frauen. In zwei voneinander unabhängigen Studien wurde festgestellt, dass Mädchen zwischen elf und 18 Jahren sich mehr und mehr mit ihrem körperlichen Erscheinungsbild befassen, wohingegen Jungen in dem Alter sich damit nicht so sehr auseinandersetzen. Mädchen tendierten auch dazu, ihr Körpergewicht zu überschätzen, und waren depressiver, falls sie übergewichtig waren, während Jungen zu Depressionen wegen Untergewicht neigten. In einer an Studenten durchgeführten Studie waren 60 bis 90% der Frauen auf Diät verglichen mit 10 bis 40% bei Männern. Frauen wollen in erster Linie aus kosmetischen Gründen abnehmen, wohingegen Männer aus athletischen Gründen zunehmen wollen.

Das wachsende Interesse an dem Körpergewicht, woraus ein höheres Risiko entsteht, eine Essstörung zu entwickeln, scheint in bestimmten Berufen und Sportarten weiter verbreitet zu sein, wie zum Beispiel bei Bodybuildern, Wrestlern, Jockeys, Rockmusikern und Mannequins.

Im Allgemeinen vertrauen Frauen auf diätetische Einschränkungen, um ihr Gewicht unter Kontrolle zu halten, während essgestörte Männer mehr auf exzessiven Sport bauen, um ihr Gewicht zu kontrollieren. Männer, die übermässig Sport treiben, werden schlicht und einfach als Irre bezeichnet.

Homosexualität und Essstörungen

Homosexualität wird häufig als Grund für die Entwicklung einer Essstörung bei Männern in Betracht gezogen. In der Jugend kann ihr Konflikt mit der Sexualität in Bulimie als eine Nachahmungsstrategie resultieren. In einer Studie wird berichtet, dass das Vorkommen von essgestörten Männern, die homosexuell orientiert sind, bei 53% liegt.

Das Krankheitserscheinungsbild von essgestörten Männern ist dem der Frauen auffällig ähnlich. Mögliche Auslöser für Essstörungen sind Training für (Leistungs-) Sport, Ängste bezüglich der Sexualität, Hänseleien wegen Übergewicht und persönliche Stressfaktoren wie zum Beispiel das Ende einer Partnerschaft. Männer beschäftigen sich weniger mit strikter Gewichtskontrolle, sind weniger depressiv und selbsthassend nach übermäßiger Nahrungsaufnahme und nehmen weniger Abführmittel, Entwässerungsmittel und Diätpillen ein.

Die Tatsache, dass Jungen zwei Jahre später als Mädchen in die Pubertät kommen, könnte die Ursache für den späteren Anfang einer Essstörung bei Männern sein. Mädchen weisen wesentlich mehr entschiedene Körperveränderungen zu Beginn der Pubertät auf. Da Mädchen zu diesem Zeitpunkt eine weibliche Figur ausprägen, wird dies oft als "fettwerden" bei denjenigen ausgelegt, die sich schon vorher mit ihrem Körpergewicht intensiv auseinandergesetzt haben. Jungen neigen dazu, während der Pubertät vermehrt Muskeln anzusetzen, der Bartwuchs setzt ein und sie kommen in den Stimmbruch. Diese Veränderungen sind physiologisch gesehen schützender gegen ein negatives Körperbild.

Behandlung und Folgen

Bis jetzt gibt es noch zu wenig Studien von Männern mit Essstörungen, als dass sie eine Schlussfolgerung zuließen. Jedoch sind Behandlungsmodalitäten, die bei Frauen und Männern angewendet werden, ziemlich ähnlich; individuelle psychologische Beratung, Gruppentherapie und manchmal Klinikaufenthalte sind die am häufigsten und nützlichsten Methoden.

 

Quellen: Amer. J. of Psych. (1991): Males with Eating Disorders (1990) by Andersen, A. (Ed); Psychology and Health, 1995, Vol. 10.
Aus dem Amerikanischen von Dorothea Krist (Danke, Doro!)



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  • Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 04. September 2010 um 14:47 Uhr  

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