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Hinweise für den Umgang mit Personen, von denen Sie annehmen, dass sie unter einer Essstörung leiden

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Bevor Sie jemanden auf eine vermutete Essstörung ansprechen, sollten Sie sich zunächst informieren. Zu viele Menschen glauben, dass es bei einer Essstörung nur um Essen und Gewicht geht, während sie in Wirklichkeit nur das Symptom für tieferliegende Probleme ist. Es folgt eine Liste mit einigen Punkten, sie Sie sich ins Gedächtnis rufen sollten, wenn Sie jemanden ansprechen:

  • Vermeiden Sie es, über Essen oder Gewicht zu reden; darum geht es eigentlich nicht.
  • Versichern Sie dem Betreffenden, dass er nicht alleine ist, und dass Sie ihn gerne haben und ihm, wo immer Sie können, helfen wollen.
  • Ermutigen Sie den Betreffenden, Hilfe anzunehmen.
  • Zwingen Sie den Betreffenden niemals, etwas zu essen.
  • Gehen Sie nicht auf das Körpergewicht oder das Aussehen des Betreffenden ein.
  • Machen Sie dem Betreffenden keine Vorwürfe, und werden Sie ihm gegenüber nicht zornig.
  • Seien Sie geduldig, eine Heilung braucht Zeit.
  • Machen Sie Mahlzeiten nicht zu Schlachtfeldern.
  • Hören Sie dem Betreffenden zu, geben Sie keine übereilten Meinungen oder Ratschläge ab.
  • Versuchen Sie nicht, die Rolle eines Therapeuten zu übernehmen. Sie sind keiner!

Es ist wichtig, daran zu denken, dass wenn Sie jemanden das erste Mal auf eine vermutete Essstörung hin ansprechen, der Betreffende mit Angst oder Unmut reagieren oder alles abstreiten könnte. Beharren Sie dann nicht auf dem Thema. Lassen Sie den Betreffenden nur wissen, dass Sie für ihn da sind, wenn er darüber sprechen will. Es kann aber notwendig werden, dass Sie handeln müssen, wenn die Gesundheit des Betreffenden extrem gefährdet ist. In diesem Fall sollten Sie mit einem Arzt und mit den Angehörigen des Betreffenden über die weitere Vorgehensweise sprechen.

Es ist erschreckend, jemandem, den Sie gerne haben, dabei zuzusehen, wie er sich langsam selber umbringt. Vermutlich leiden Sie selber unterAnspannung, Furcht, einem schlechten Gewissen oder sind verwirrt. Wie sehr Sie sich auch bemühen zu helfen, Sie müssen sich darüber im klaren sein, dass die Entscheidung, sich helfen zu lassen, beim Betreffenden liegt. Sie können ihn nicht dazu zwingen.

Sie müssen auch darauf achten, was sie zum Betreffenden sagen. Es folgt eine Liste mit einigen Bemerkungen, die Sie besser nicht machen, weil sie normalerweise genau das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt war.

  • "Setz' dich einfach hin und iß wie ein normaler Mensch." Wenn das so einfach wäre, würde er das tun. Machen Sie sich klar, dass es tieferliegende emotionale Konflikte gibt, die ihn vom "normalen" Essen abhalten.
  • "Warum tust du mir das an?" Er tut das nicht Ihnen an, sondern sich selber. Eine solche Bemerkung führt nur dazu, dass er sich noch schuldiger und verunsicherter fühlt.
  • "Du siehst gut aus, du hast zugenommen." Der Betreffende hört nicht "Du siehst gut aus", sonder nur "Du hast zugenommen", und glaubt, dass er fett ist.
  • "Machst du Fortschritte?" Während einer Therapie führt ein solcher Kommentar dazu, dass der Betreffende glaubt, keine zu machen, sondern vielmehr versagt hat.
  • "Ich helfe dir dabei, wieder Fett anzusetzen." Die Worte "Fett ansetzen" sind für eine Person, die unter einer Essstörung leidet, sehr furchterregend. Solche Kommentare können viel Schaden anrichten.
  • "Behältst du etwas bei dir?" oder "Wann hast du dich das letzte Mal übergeben?" Sich zu übergeben verursacht Schuldgefühle und Scham. Jemandem diese Fragen zu stellen kann dazu führen, dass diese Gefühle zurückkehren und wieder erfahren werden.
  • "Du siehst fürchterlich aus." Vermeiden Sie Kommentare zum Aussehen des Betreffenden. Er ist bereits besessen von seinem Körperempfinden und kann keine negativen Bemerkungen brauchen.
  • "Du ruinierst deine Familie." oder "Du bist schuld, dass es deiner Mutter jetzt so schlecht geht, weil sie sich immer Sorgen um dich machen muß. Und zusehen muß, wie du dich langsam umbringst." Dieser Kommentar verursacht nur noch mehr Schuldgefühle. Er motiviert den Betreffenden nicht dazu, etwas zu essen, sondern treibt ihn noch tiefer in die Essstörung.
  • "Was hast du heute gegessen?" Diese Frage führt den Betreffenden in die Zwangslage, entweder zu lügen, um Ihnen eine Freude zu machen (und sich deswegen noch schlechter zu fühlen), oder die Wahrheit zu sagen (und sich ob des Versagens schlecht zu fühlen).
  • "Wenn du glaubst, fett zu sein, was bin ich denn dann deiner Meinung nach?" Auch wenn der Betreffende untergewichtig ist, fühlt er sich fett und siehst seinen Körper auch so im Spiegel. Das hat nichts mit der Wahrnehmung und Beurteilung anderer Personen zu tun. Gegenüber einer Person mit einer Essstörung spricht man am besten weder Figur noch Gewicht an.
  • "Komm schon und iß das. Du kotzt es ja sowieso wieder raus." Eine solche Bemerkung ist grausam und unsensibel. Der Betreffende fühlt sich sowieso schon schlecht wegen seiner Essstörung. Wenn Sie nichts positives sagen können, sagen Sie besser gar nichts.
  • "Ich wünschte, ich hätte dieses Problem." oder "Ich wünschte, ich hätte einen Tag lang Magersucht." Nein, das tun Sie nicht. Der Betreffende muß sich jeden Tag mit seiner Essstörung auseinandersetzen, und weiß, wie schlimm es ist, darunter zu leiden. Zu dieser Bemerkung hat uns Cleo den folgenden Brief zur Verfügung gestellt: Danke, Cleo.

    Hey du!

    Wahrscheinlich fragst du dich jetzt, warum grade ich dir einen Brief schreibe, aber ich glaube, so kriege ich das, was ich dir sagen will besser rüber. Du hast gestern gesagt, du würdest gerne mal für eine Woche magersüchtig sein. Normalerweise ignoriere ich solche kommentare einfach, aber bei dir, ich denke einfach, dass DU irgendwie leicht in eine Essstörung reinrutschen könntest... also, pass auf dich auf! Wenn es ginge, würde ich sofort für eine Woche mit dir tauschen: Du bekommst meine Magersucht und ich lebe eine Woche mal *normal*

    Magersucht bedeutet nicht einfach nur mal abzunehmen, sondern du zerstörst dir deinen Körper und auch dein Leben...nach 9 jahren mit meiner ES weiss ich das zu gut..es ist ein täglicher, anstrengender Kampf.. (aber bitte behalte das mit meiner Magersucht für dich, ein paar in der Klasse wissen zwar davon, aber es soll nicht jeder wissen)

    Puh, das ist jetzt doch länger geworden, dabei wollte ich doch einfach nur sagen: Pass auf dich auf!!!!

    Ciao

  • "Für jemanden mit einer Essstörung langst du aber ganz schön zu." Kaum zu glauben, dass es Leute gibt, die solche Kommentare abgeben. Diese Bemerkung ist sehr unsensibel und kann dazu führen, dass der Betreffende ob des zu sich genommenen Essens in Panik verfällt und sich anschließend übergibt.
  • "Du siehst wieder so gesund aus, nicht mehr so dürr." Für den Betreffenden heißt das, dass er fett geworden ist, auch wenn er in Wirklichkeit viel gesünder und besser aussieht. Am besten machen Sie gar keine Bemerkungen zu Aussehen oder Gewicht.
  • "Ich wünschte, ich hätte deine Disziplin. Ich habe schon zig-mal erfolglos versucht, abzunehmen. Was ist dein Geheimnis?" Das Geheimnis ist eine Essstörung, und die wünschen Sie sich bestimmt nicht. Jedenfalls nicht, wenn Sie wüßten, mit welchen seelischen und körperlichen Leiden sie verbunden ist.
  • "Er/Sie ist jetzt zu dürr, aber sie wird schon wieder zulegen." Wenn Sie beabsichtigen, den Betreffenden zu erschrecken, dann haben Sie vermutlich Erfolg damit. Ansonsten ist es keine gute Idee, eine derartige Bemerkung zu machen, die den Betreffenden eher in Panik versetzt und veranlaßt, noch mehr Gewicht zu verlieren.
  • "Ich halte das nicht mehr aus. Womit soll das nur enden?" Es ist sehr schwierig, jemandem, den man gerne hat, dabei zuzusehen, wie er sich selbst langsam zerstört, aber eine solche Bemerkung kann noch mehr Schaden anrichten. Es ist besser, sich Unterstützung von außerhalb zu verschaffen, als sich am Betreffenden abzureagieren. Sonst verstärken sich seine Schuldgefühle nur noch mehr, und er glaubt vielleicht, das Essen nicht zu verdienen.
  • "In 6 Monaten ist das ganze vorbei." Sie können kein Zeit-Limit setzen. Die Behandlung und Heilung kann von Fall zu Fall sehr lange dauern, deshalb sollten Sie Geduld aufbringen. Sonst setzen sie den Betreffenden noch mehr unter Druck.
  • "Hör' auf, dir selber leid zu tun." Die betreffende Person leidet nicht unter Magersucht, weil sie sich leid tut. Es gibt tieferliegende Probleme, die sich damit ausdrücken.
  • "Jetzt reiß dich endlich zusammen." Von einer Essstörung zu genesen ist nicht so einfach. Bevor Sie einen solchen Kommentar abgeben, versuchen Sie sich über die Essstörung zu informieren und wie Sie bei der Bewältigung helfen können.
  • "Du siehst aus, als ob du AIDS hättest." Sie sollten Kommentare über das Aussehen grundsätzlich vermeiden, derartig unsensible obendrein.
  • "Was werden deine Freunde bloß denken?"
  • "Du machst das nur, um Aufmerksamkeit zu erregen." oder "Du willst bloß im Mittelpunkt stehen."
  • "Für jemanden mit Magersucht bist du aber ganz schön kräftig/nicht dünn genug"
  • "Jetzt hör doch auf, dir das ständig einzureden"
  • "Das ist doch nur eine Sache der Einstellung"
  • "Also Magersucht sieht man dir aber gar nicht an...."
  • "Du isst bloß nichts, um uns (Eltern) unter Druck zu setzen und zu erpressen."
  • "Du bist selbst Schuld, weil du dir nicht helfen lassen willst."
  • "Wir (Eltern) haben alles versucht und das hat uns viel Geld gekostet. (z.B. bei Privatpatienten)"
  • "Du willst dir ja nicht helfen lassen."
  • "Wir werden jeden Tag dein Gewicht kontrollieren."
  • "Du willst dich umbringen, um uns zu erpressen."
  • "Wir haben dir Geschenke versprochen und gemacht, aber du hast uns nur ausgetrickst und nicht an die Abmachungen gehalten."
  • "Du ruinierst unseren Ruf in der kleinen Stadt."
  • "Mit dir können wir uns ja nicht mehr öffentlich zeigen."
  • "Die Leute Reden schon über uns."
  • "Du bist schon Stadtgespäch."
  • "Du hast zugenommen, jetzt siehst du endlich mal wieder aus wie eine richtige Frau."
    Variation: das gleiche, plus: mit richtigen Oberschenkeln, nem Hintern, etc.
  • "Stell dich nicht so. Du brauchst keine Therapie. Rechne doch einfach deinen BMI aus, und dann weißt du, dass du nicht zu dick bist."
  • "Sind Frauen so besondere Wesen, das sie nicht normal essen können?"
  • "Ich hab Bilder von früher angesehen. Da sahst du viel besser aus. Du bist von Natur aus gar nicht so eine schlanke zierliche Person, sondern so ein richtiges Vollweib."
    (Ich habe gedacht, was kann der bestimmen, wie ich bin, wer ich bin? Ich bestimme allein über meinen Körper.)
  • Du bist doch viel zu dünn... Schau doch mal all die dürren Models an, wie ekelhaft die alle aussehen.
  • Verwandte: „Du kannst öfter kommen, du bist ja ein billiger Gast“     (wenn man alle Essens- und Getränkeangebote ablehnt)
  • Hast du schon wieder abgenommen? Das wird ja immer schlimmer mit dir.
  • Du stehst da wie ein Strich in der Landschaft

Wenn Sie ähnliche Kommentare über sich ergehen lassen mußten oder müssen, von denen Sie glauben, dass sie unangebracht sind, können Sie diese gerne an den Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. mitteilen. Die Liste wird dann entsprechend erweitert.

Jemand mit einer Essstörung hat die besten Heilungschancen, wenn sein Umfeld aus Personen besteht, die ihm Rückhalt und Unterstützung geben. Die Heilung dauert lange und ist mit viel Arbeit verbunden. Aber mit der richtigen Behandlung, die aus Individual-, Gruppen und Familientherapie, Selbsthilfegruppen und medizinischer und Ernährungsberatung bestehen kann, kann die Essstörung überwunden werden.

Den betroffenen Familien sei auch dazu geraten, sich Unterstützung zu suchen. Der Umgang mit jemandem, der unter einer Essstörung leidet, kann frustrierend und emotionell belastend sein. Durch diese schwierige Zeit kann ein Therapeut oder eine Selbsthilfegruppe helfen.

 

Quelle: http://www.mirror-mirror.org/applove.htm
Written by: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 28. Mai 2011 um 19:28 Uhr  

Kommentare  

 
+9 # xxblupjonablupxx 2011-11-06 19:23
darf man einen menschen mit essstöhrung fragen wie es so ist und ...wann es angefangen und warum??




ich entschuldige meine rechtschreibfel her :)
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+35 # Stephan 2011-11-18 22:02
Was darf/sollte man denn einer Magersüchtigen sagen, dass Ihr hilft?
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+6 # Laura 2012-03-29 19:34
Lass Sie einfach wissen, dass du für sie da bist. Biete ihr deine Hilfe an z. B wenn du reden willst oder es dir schlecht kannst du zu mir kommen, ich habe immer ein offenes Ohr für dich.
Antworten
 
 
+6 # Anja 2012-04-18 10:07
Ich glaube meine Schwester hat eine Essstörung, Sie streitet das natürlich ab, aber ich hab sie schon kotzen gehört ( öfter) sie zieht sich zurück und nun wird sie bald 18 und sucht schon nach Wohnungen oder WG hauptsache weg...
Was kann ich tun bevor es zu spät ist?
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