"Verhungernde 'Anas' haben den Kampf um die Verbreitung der Magersucht-Heilsbotschaft aufgenommen". Unter dieser Überschrift berichtet The Times in ihrer Ausgabe vom 18. November 2001 über die Bestrebungen fanatischer Magersüchtiger, sich gegen die Schließung ihrer die Magersucht verherrlichenden Webseiten juristisch zur Wehr zu setzen.
Mit 'Anas' bezeichnen sich Magersüchtige, die behaupten, ihre ausgezehrten Körper seien Ausdruck ihres freiwillig gewählten Lebensstils und nicht Symptom einer gefährlichen und oftmals tödlichen Krankheit. "Magersucht ist ein Lebensgefühl und keine Krankheit", sagen sie und haben ihrer Essstörung den Kosenamen 'Ana' gegeben. Nach dem Bericht der Times haben sich nun bis zu 100.000 militante Magersüchtige zusammengeschlossen und sammeln Geld, um sich mit juristischen Mitteln gegen die Schließung einiger von ihnen betriebenen Internet-Seiten zu wehren. Unter dem Druck der Gesundheitsbehörden, eine Schließung der von ihnen betriebenen Internetseiten zu erwirken, haben sie sich schnell organisiert.
Eine der Wortführerinnen der 'Anas', die sich Sahara nennt, betreibt selbst eine Pro-Anorexie-Seite, auf der Betroffene Ratschläge erhalten, wie sie weiter abnehmen können, zusammen mit Tips, wie man die Essstörung vor Ärzten, Eltern und Freunden verheimlicht. Nach eigenen Angaben enthält ihre Datenbank die Namen von 100.000 Sympathisanten, deren Ziel es ist, Geld für den Rechtsstreit mit den Gesundheitsexperten aufzutreiben, die ihre Internet-Seiten schließen lassen wollen.
"Das ist nur der erste Schritt", sagt Sahara in diesem Bericht, "vor zwanzig Jahren wurde Homosexualität auch noch als Krankheit bezeichnet. Und wer hätte vor zehn Jahren gedacht, daß sich Übergewichtige so erfolgreich organisieren, daß heute die Feuerwehr in Kalifornien Leute einstellen muß, die so dick sind, daß sie überhaupt nicht auf eine Leiter steigen können, weil sie sonst verklagt wird? Wir gefährden doch nur unser eigenes Leben. Wenn wir auf diese Weise sterben wollen, soll das doch uns überlassen werden."
Ihre Pro-Anorexie-Seite ist nicht die einzige, auf der eine derartige Meinung vertreten wird. Hauptsächlich im englisch-sprachigen Raum gibt es eine Unzahl von Internet-Seiten und -Communities, in denen Essstörungen verherrlicht werden und sich Betroffene gegenseitig immer weiter in ihre Krankheit verstricken. Mit der wachsenden Verbreitung solcher Pro-Anorexie-Seiten wächst aber auch das öffentliche Bewußtsein für diese Problematik. Die US-amerikanische "National Association of Anorexia Nervosa and Assiciated Disorders" (ANAD) beschäftigt inzwischen einen Vollzeitangestellten damit, diese Seiten zu überwachen und Internet-Provider davon zu überzeugen, sie vom Netz zu nehmen.
| < Zurück | Weiter > |
|---|






