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Was sind Pro-Anorexie-Seiten?

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Im Internet finden sich unzählige, zumeist englisch-sprachige Seiten, auf denen Essstörungen verherrlicht werden. Man findet Ratschläge, wie man immer weiter abnehmen kann und die Gewichtsabnahme verheimlicht, damit besorgte (sprich neidische) Angehörige einen in Ruhe lassen. Betroffene tauschen Tips aus, wie man die lästigen wöchentlichen Gewichtskontrollen beim Arzt manipuliert, oder verabreden sich virtuell zum Fastenwochende. Wenn dann der Hunger kommt, lenkt man sich gegenseitig im Chat ab oder diskutiert das Abnehm-Ziel für diese Woche.

Aber auch Bulimiker geben ihr Wissen weiter: Welche Nahrungsmittel sich am leichtesten wieder erbrechen lassen oder wie man sich so übergibt, dass es niemand bemerkt.

Alles das ist mit einer an Religiosität grenzenden Hingabe an die Essstörung eingefärbt, für die man als Außenstehender praktisch kein Verständnis aufbringen kann. "Geht weg, und laßt uns so leben (und sterben), wie wir es wollen", bekommt man dann zu hören. Für jemanden, der das Leid kennt, das eine Essstörung mit sich bringt, sind diese Internet-Seiten fast unerträglich.

"Bleib stark"

Es ist schwer, sich in die Gedankenwelt einer Person, die an Magersucht leidet, hineinzuversetzen. Wesentliches Symptom der Magersucht wie auch der Bulimie ist die sogenannte Körperschema-Störung: Betroffene halten sich für zu dick, auch wenn sie bereits erhebliches Untergewicht aufweisen. Appelle Angehöriger, sich helfen zu lassen oder eine Therapie zu beginnen, klingen in den Ohren Betroffener wie Versuche, sie im wahrsten Sinne des Wortes zu mästen.

Viel zugänglicher sind sie da für die innere Stimme der Essstörung, die ihnen die Lösung aller ihrer Probleme verspricht: "Wenn Du nicht dünn bist, bist Du nicht attraktiv", "Du fühlst Dich umso besser, umso weniger Du wiegst" oder "Du kannst nie zu dünn sein".

Auf den Pro-Anorexie-Seiten finden Betroffene dann genau die Motivation, die sie dazu bringt, noch tiefer in ihre Essstörung zu rutschen: Bilder elfenhafter Models und Filmstars, viele von ihnen nachträglich bearbeitet, um die Personen noch dünner erscheinen zu lassen, gefolgt von Ermutigungen, weiter an der Essstörung festzuhalten: "Bleib stark, höre nicht auf die anderen. Die sind doch nur neidisch, auf Deine Stärke, Deinen Willen, Deine Schlankheit"

Kampf gegen eine Hydra

Ende Juli 2001 hat Yahoo! 21 von schätzungsweise 115 bei sich gehosteten Pro-Anorexie-Seiten und Communities von seinen Servern genommen, ein Erfolg langandauernder Bemühungen amerikanischer Selbsthilfegruppen. Aber kaum wird bei einem Webspace-Anbieter ein Club geschlossen, tauchen bei einem anderen Anbieter neue auf. Viele der Nutzer der neuen Communities kennen sich noch aus anderen, bereits wieder verschwundenen Treffs, und weil sowohl die Verbreitung von Essstörungen als auch die Nutzung des Internet an sich zunimmt, werden es täglich mehr.

Es wäre aber falsch, dem Internet als solchem die Schuld an dieser Entwicklung zu geben. "Es ist schließlich nicht so, dass es Essstörungen erst seit der Entstehung des Internets gibt", sagt Dr. Jan Nedoschill, Arzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Erlangen und Mitbegründer der virtuellen Selbsthilfegruppe bei Essstörungen Hungrig-Online e.V. (www.hungrig-online.de). "Aber es ist ungemein wichtig, dass Betroffene statt Seiten, die sie noch tiefer in ihre Krankheit verstricken, Hilfsangebote im Internet vorfinden. Die Anonymität des Internets erleichtert es dabei vielen, nach Hilfe zu fragen und den ersten Schritt bei der Bewältigung der Essstörung zu tun."

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 09. Juli 2010 um 18:50 Uhr  

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